Meldung vom 22.10.2026

Klubpräsident Christof Leitner: „Eishockey ist nach Mailand zurückgekehrt“

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Knapp vier Monate nach der Aufnahme in die win2day ICE Hockey League trug der Milano Hockey Club seine ersten vier Heimspiele in der neu errichteten Fiera Ice Arena aus. Am Freitag gastiert der EC-KAC in der italienischen Millionenmetropole. Vereinspräsident Christof Leitner, der als Unternehmer selbst maßgeblich am Bau der neuen Mailänder Eishalle beteiligt war, im Interview.

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Die ersten beiden Wochenenden in der Fiera Ice Arena liegen hinter uns. Wie besonders waren die bisherigen Heimspiele für Sie?
Christof Leitner: Für mich persönlich war das ein unglaublich emotionaler Moment. Wenn man bedenkt, dass wir vor wenigen Monaten praktisch bei null begonnen haben und nun eine Mannschaft in der win2day ICE Hockey League auf dem Eis steht, ist das schon etwas Außergewöhnliches.
 
Wir haben in den vergangenen Monaten unglaublich viel Energie, Arbeit und auch persönliche Verantwortung in dieses Projekt investiert. Als ich dann die Spieler auf dem Eis und die Fans auf den Tribünen gesehen habe, war das ein Moment, in dem man realisiert, was wir gemeinsam geschaffen haben. Natürlich gibt es noch vieles zu verbessern. Aber eines steht fest: Das Eishockey ist nach Mailand zurückgekehrt.
 
Der Milano Hockey Club wurde am 1. Juni bei der Generalversammlung in die Liga aufgenommen. Vier Monate später fand bereits ein Spiel in der neu errichteten Arena statt. Wie kam es dazu, und welche Bauphasen gab es?
Wenn man heute zurückblickt, war das eigentlich ein verrücktes Unterfangen. Normalerweise benötigt man für ein solches Projekt wesentlich mehr Vorlaufzeit. Wir mussten praktisch alles gleichzeitig aufbauen: die sportliche Organisation, die Mannschaft, die Finanzierung und natürlich die Arena. Was uns dabei enorm geholfen hat, war unsere Erfahrung aus den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026. Wir wussten, wie man komplexe Eisprojekte unter enormem Zeitdruck realisiert. Und wir hatten kompetente Partner wie die Messe Mailand.
 
Entscheidend war aber auch, dass wir nicht lange diskutiert, sondern Entscheidungen getroffen haben. Wir hatten ein klares Ziel und ein Team, das bereit war, dafür außergewöhnliche Leistungen zu erbringen. Dass wir vier Monate später tatsächlich unser erstes Heimspiel austragen konnten, ist eine großartige Gemeinschaftsleistung. Wir haben in vier Monaten etwas geschaffen, wofür andere normalerweise ein oder zwei Jahre benötigen.

 
Sie haben an vielen Projekten rund um Eishallen mitgearbeitet. War der Bau der Fiera Ice Arena für Sie etwas Besonderes?
Wir haben in unserer Unternehmensgeschichte (Anm.: vom Familienunternehmen REALICE) zahlreiche Eisstadien und spannende Projekte realisiert. Mit den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 durften wir sicherlich eines der anspruchsvollsten Projekte unserer Geschichte umsetzen. Aber die Fiera Ice Arena ist für mich persönlich etwas ganz Besonderes.
 
Ich liebe selbst den Eishockeysport. Deshalb geht es für mich hier nicht nur um Technik, Kälteanlagen oder Eisqualität. Es geht darum, einem Club und einer ganzen Stadt wieder eine Heimat für den Eishockeysport zu geben. Bei Olympia haben wir die Bühne für Rekorde gebaut. In Mailand bauen wir die Bühne für die Zukunft des Eishockeys. 
 
In Mailand ist eine Eishockeygemeinschaft wieder zum Leben erwacht. Wie beurteilen Sie die Unterstützung der Fans?
Mailand hat eine außergewöhnliche Eishockeytradition, die mehr als 100 Jahre zurückreicht. Diese Geschichte und diese Leidenschaft kann man nicht einfach vergessen. Wir spüren, dass die Menschen wieder Lust auf Eishockey haben. Das ist für uns eine enorme Motivation. Gleichzeitig wissen wir, dass in der Vergangenheit nicht immer alles einfach war und dass Vertrauen nicht über Nacht entsteht.
 
Unsere Aufgabe ist es deshalb, nicht nur eine konkurrenzfähige Mannschaft aufzubauen, sondern vor allem einen professionellen und langfristig stabilen Club. Wir wollen, dass Familien, Kinder und junge Menschen wieder gerne zum Eishockey gehen und stolz auf ihren Club sind. Dazu kommen auch die ganzen Jugendmannschaften, unsere Milano HC Prospects, mit denen wir eine hervorragende Zusammenarbeit pflegen. Auch die Fans sind dabei nicht nur Zuschauer. Sie sind ein wesentlicher Teil unserer Identität.
 
Wir wollen nicht nur die Vergangenheit des Mailänder Eishockeys ehren, sondern gemeinsam mit unseren Fans seine Zukunft gestalten. Leidenschaft gehört zum Eishockey. Aber für Gewalt, Einschüchterung oder respektloses Verhalten gibt es bei uns keinen Platz. Wir haben dafür null Toleranz.

 
Nach den ersten 13 Runden: Was kann die Mannschaft Ihrer Meinung nach in ihrer Debütsaison erreichen?
Wir dürfen nicht vergessen, dass wir eine komplett neue Mannschaft zusammengestellt haben und gegen Clubs spielen, die seit vielen Jahren in dieser Liga etabliert sind. Die win2day ICE Hockey League ist sportlich sehr anspruchsvoll. Trotzdem haben wir in den ersten Spielen bereits gezeigt, dass wir konkurrenzfähig sind. Natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen. Niemand geht aufs Eis, um zu verlieren.
 
Aber wir müssen realistisch bleiben. Unser erstes Ziel ist es, als Mannschaft zusammenzuwachsen, konstant gute Leistungen zu zeigen und uns Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Ich bin überzeugt, dass in dieser Mannschaft viel Potenzial steckt. Wir denken aber nicht nur an diese Saison. Wir wollen den Milano Hockey Club langfristig zu einer festen Größe im europäischen Eishockey machen.